Wie entsteht überhaupt eine 2-Euro-Münze, welche Arbeitsschritte sind notwendig und was wird für die Herstellung benötigt? Wir haben den aufwändigen Weg des kompletten Produktionsprozesses im Jahr 2008 für euch begleitet. Seit unserem Besuch hat sich die Münzindustrie jedoch rasant verändert.

Im Gegensatz zu damals gestalten die meisten Münzdesigner das Motiv heute in der Regel nicht mehr auf Papier, sondern direkt am Computer mithilfe spezieller 3D-Software. Auch die darauffolgenden Schritte wurden durch die Digitalisierung revolutioniert: Wo früher noch Tage an handwerklicher Arbeit für Gipsmodelle, Schellack-Versiegelungen und Wachsformen nötig waren, entstehen die Reliefs heute oft direkt als digitaler Datensatz.

Selbst der riesige mechanische Pantograph (die Reduziermaschine), der damals das Modell stundenlang physisch abgetastet hat, gehört heute meist der Vergangenheit an. Moderne Münzstätten nutzen stattdessen hochpräzise 3D-Laserscanner und computergesteuerte CNC-Fräsen oder Gravurlaser, die das Motiv mikrometergenau direkt in den Stahlblock brennen.

Auch das aufwändige, mechanische Umsenkverfahren zur Vervielfältigung der Stempel wird zunehmend durch effiziente Hochleistungs-Prägelaser ersetzt. Sogar die finale Qualitätskontrolle hat ein digitales Upgrade erhalten: Während damals noch Stichproben mit Lupe und Messschieber dominierten, scannen heute optische High-Speed-Kamerasysteme die Münzen im Bruchteil einer Sekunde vollautomatisch im fließenden Produktionsprozess.

Begleitet uns nun auf eine Reise zurück in das Jahr 2008 und erfahrt, wie viel echte Handwerkskunst damals – und in ihren Grundzügen bis heute – in jeder einzelnen Münze steckt.

Vom ersten Entwurf bis zur Herstellung des Prägewerkzeugs

Bevor eine 2-Euro-Münze bei uns im Geldbeutel klimpert, hat sie bereits einen aufwändigen Entwurfs- und Produktionsprozess hinter sich gebracht. Von den ersten Entwurfszeichnungen des Künstlers und der Anfertigung eines Gipsmodells über die Herstellung des Prägewerkzeugs und des Rondenmaterials bis hin zur Prägung der Münze vergehen zahlreiche Arbeitsstunden. Erst dann findet die fertige Münze endlich den Weg in den Zahlungsverkehr.

Die Grundlage einer jeden Münze schafft der Künstler, welcher nach ersten Ideenskizzen zu einem geforderten Thema verschiedene Entwurfszeichnungen per Hand, als Bleistiftskizzen, in einer Größe von etwa 15 cm auf das Papier bringt (1)/(2).

Sobald die Entscheidung für einen Entwurf gefallen ist, wird dieser eingescannt und am Computer mit den zwölf europäischen Sternen, dem Münzzeichen für die Prägestätte und dem Prägejahr im Kreis angeordnet (3).

Der Künstler fertigt dann nach seinem zeichnerischen Entwurf ein gegenüber der späteren Münze vergrößertes Gipsmodell an. Hierzu wird die fertige Entwurfszeichnung mit Hilfe eines Lösungsmittels spiegelverkehrt auf den Gips aufgebracht. In weiteren Arbeitsschritten schneidet der Künstler das Motiv negativ und spiegelverkehrt in den Gips und versiegelt diesen mit Schellack. Anschließend wird das Modell mit flüssigem Wachs isoliert. Erst dann kann das Gipsmodell mit einer Manschette versehen und flüssiger Gips auf das Negativ gegossen werden. Im so entstandenen ersten Positiv werden nun Schritt für Schritt per Hand alle Details eingearbeitet (4).

Über dieses vergrößerte Gipsmodell (5), das in allen Feinheiten ausmodelliert wird, entsteht über eine Zwischenabformung eine positive Kunstharzform. In eine Reduziermaschine (Pantograph) eingespannt, tastet ein Stift das Modell dreidimensional ab, und ein Fräser überträgt das Relief in gewünschter Originalgröße in einen Stahlblock. Die so entstandene Urpatrize (6) wird anschließend in ihren Konturen und plastischen Feinheiten vom Graveur mit höchster Präzision nachbearbeitet und im Anschluss gehärtet. In mehreren Umsenkverfahren werden aus der Urpatrize schließlich die eigentlichen Prägestempel im Negativ hergestellt. Diese werden nach dem Umsenken in die richtige Form gedreht, gehärtet und, um die Lebensdauer zu verlängern, hartverchromt. Mit dem fertigen Prägewerkzeug (7) lassen sich nun hunderttausende neue Geldstücke prägen.

Die Herstellung des Rondenmaterials

Um mit dem Prägewerkzeug nun 2-Euro-Münzen prägen zu können, muss zuerst das 2-Euro-Rondenmaterial mit der vorgeschriebenen Legierung und den exakt festgelegten physikalischen und technischen Eigenschaften produziert werden. In einer Gießerei wird hierfür zunächst das Münzmetall für die späteren Ronden hergestellt. Für die 2-Euro-Münzen wird die Kupfernickellegierung Cu 750 / Ni 250 verwendet, die eine bewährte Legierung darstellt und aufgrund ihrer ausgeprägten physikalischen Eigenschaften sehr fälschungssicher ist.

Bei der Herstellung des Rondenmaterials werden anfangs im Stranggussverfahren sogenannte „Brammen“, Metallblöcke in einer Länge von 6 bis 7 m und einem Gewicht von bis zu 10 t, gegossen. Diese werden anschließend im Walzwerk in mehreren Arbeitsschritten auf eine gewünschte Dicke von etwa 2 mm heruntergewalzt. Die so entstandenen dünnen Metallbänder werden nun auf Stanzbreite geschnitten und zu großen Metallbandrollen, den sogenannten „Stanzringen“ (8), aufgerollt.

Im Anschluss werden die Münzplättchen von der Stanzmaschine mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6.000 Stück pro Minute aus den Metallbändern (9) herausgestanzt (10) und unmittelbar auf ihre technischen Eigenschaften, wie Gewicht und Dicke, überprüft. Der Stanzabfall wird wieder eingeschmolzen und erneut dem Produktionsablauf zugeführt.

Jetzt müssen die Ronden noch mit einem Rand versehen werden. Dazu laufen sie in der Rändelmaschine von einem Drehteller angetrieben durch das Rändelwerkzeug. Hierbei wird der Rand der Ronde gestaucht. Anschließend durchlaufen die Ronden bei 600 bis 1.000 Grad einen Bandofen (11). Dadurch wird das Rondenmaterial weicher und bei der späteren Prägung der Münzen wird einem schnellen Verschleiß des Prägewerkzeugs vorgebeugt.

Bevor die Auslieferung an diverse Prägeanstalten erfolgt, werden die fertigen Ronden noch gewaschen und getrocknet sowie einer Endkontrolle unterzogen.

Da es sich bei dem 2-Euro-Stück um eine Bi-Metall-Münze handelt, müssen zunächst zwei unterschiedliche Rondenteile gefertigt werden: ein Rohling aus einer Kupfernickellegierung und ein weiterer Rohling aus dem dreischichtigen Werkstoff Nickelmessing-Nickel-Nickelmessing für die spätere Pille der 2-Euro-Münze.

Erst während eines späteren Arbeitsschritts, in der Prägeanstalt, wird der Kupfernickelrohling mit einer Randschrift versehen und anschließend gelocht. Jetzt kann die Fügung der beiden Rondenteile zu einer fertigen 2-Euro-Ronde (12) erfolgen.

Die Herstellung einer Bi-Metall-Münzronde

Bildmontage zur Herstellung einer Bi-Metall-Münzronde: aus der Ronde aus Kupfernickellegierung (13) und der nickelmessingplattierten Nickelronde (15) entsteht über Rändeln, Lochen und Fügen die fertige 2-Euro-Ronde (20).

Prägung der 2-Euro-Münzen

In großen Holzkisten, die bis zu 600 kg wiegen, werden die fertigen Münzronden in der Ladeschleuse der Prägeanstalt angeliefert. Nach dem Entladen folgt eine maschinelle Zählung und Prüfung der Ronden. Die gezählten und gewogenen Münzplättchen werden anschließend in Containern in den Prägesaal zu den Prägemaschinen gefahren.

Die Prägung der 2-Euro-Münzen erfolgt heute mit modernen Bi-Metall-Münzprägepressen, welche Leistungen von bis zu 850 Münzen pro Minute erreichen. Nicht in allen Ländern der Währungsunion werden für die Prägung bereits vorgefertigte 2-Euro-Ronden verwendet. In der Bundesrepublik Deutschland werden die Prägemaschinen für die 2-Euro-Münzen parallel über Magazine für Ringe und für die Pillen beschickt. Erst durch den hohen Prägedruck werden Ring und Pille während des Prägevorgangs zusammengefügt. Die vorgefertigten 2-Euro-Ronden werden vor allem für die Prägung von Münzen in Polierter Platte und Spiegelglanz, in einigen anderen Ländern auch für die Produktion der Umlaufmünzen, verwendet.

Bevor die Prägung von zehntausenden 2-Euro-Münzen beginnen kann, werden die Prägestempel noch einmal gereinigt und poliert (22). Jetzt werden die Ronden über Steilförderbänder der Prägemaschine zugeführt (23). Mit rasender Geschwindigkeit und einem Prägedruck von bis zu 100 t schlagen die beiden Prägestempel Nominalwert und Motiv in die Ronde. Die fertig geprägte 2-Euro-Münze wird anschließend ausgeworfen (24) und fällt in den vor der Prägemaschine stehenden Container.

Die Prägung von Vorderseite, Rückseite und Randriffelung erfolgt stets in einem Schlag. Zwischen Ober- und Unterstempel befindet sich der sogenannte Prägering, ein stählerner Ring, in dem die Münzplättchen zum Liegen kommen und dessen Durchmesser dem der zu prägenden Münzen entspricht. Ein Ausweichen des Metalls durch den hohen Prägedruck wird somit verhindert.

Im Anschluss werden die geprägten Münzen stichprobenartig einer Qualitätskontrolle unterzogen. Hierbei kontrolliert ein Mitarbeiter mit Hilfe von Messschieber und Lupe die einwandfreie Qualität der fertiggeprägten Münzen (25).

Nach deren Freigabe folgt dann die maschinelle Verpackung. Jeweils 25 2-Euro-Münzen werden in Papier, mit aufgedrucktem Nennwert, eingerollt (26). Bevor wiederum zehn dieser Rollen in Plastikfolie verschweißt werden, flitzen sie zuvor einzeln über eine Waage, die nicht korrekt bestückte Rollen aussortiert.

Die Münzen sind jetzt bereit für ihren Weg zu den Bundesbanken, von denen sie an viele kleinere Banken ausgeliefert werden und so in den Umlauf gelangen. Einige dieser Münzen werden sich bei dem einen oder anderen mit großer Wahrscheinlichkeit bald im Geldbeutel wiederfinden.