Am 1. Januar 2002 wurde nach langer Vorbereitungsphase in zwölf Mitgliedsländern der Europäischen Union das neue Bargeld ausgegeben, das in einer sehr kurzen Übergangszeit die jeweiligen Landeswährungen ablöste. Als Buchwährung galt der Euro bereits seit drei Jahren. Erst knapp zwei Wochen zuvor waren erstmals so genannte „Starterkits“ ausgegeben worden, um die Bürger mit dem neuen Geld vertraut zu machen. Während die Euro-Geldscheine in allen Teilnehmerländern einheitlich gestaltet sind, gleichen sich die Münzen lediglich auf der Wertseite – die Bildseite weist etliche nicht nur für Münzsammler interessante Motive auf. Auch für den Laien kann es durchaus reizvoll sein, nachzuvollziehen, aus welchem Land eine Münze kommt und darüber zu sinnieren, welchen Weg sie bereits hinter sich hat – ein Weg, der unter Umständen in Monaten und Jahren in vielen Ländern Station gemacht hat. Länger und steiniger noch war allerdings der Weg zur Währungsunion und damit der Entstehung des europäischen Geldes.
Grundlagen, Ideen und Entwicklungen
Die Grundlagen zur Schaffung der Währungsunion reichen weit zurück und haben ihren Ursprung in unterschiedlichen Überlegungen. Bereits zur Gründung des Europarates im Jahr 1949 standen wirtschaftliche Fragen im Vordergrund. Die europäische Pluralität unter einem Dach zu vereinen beinhaltete folgerichtig auch die Einführung einer gemeinsamen Währung und die Nivellierung von Handelsbeschränkungen. Ein erster gewichtiger Schritt in diese Richtung war die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch „Montanunion“) am 18. April 1951, worin die bezeichneten Güter für die teilnehmenden Länder von Zöllen befreit wurden, unter anderem um den Wiederaufbau und die Rohstoffversorgung nach dem 2. Weltkrieg zu unterstützen. Mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge durch die EGKS-Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande am 25.März 1957 wurde die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ins Leben gerufen, die einen gemeinsamen Binnenmarkt zum Ziel hatte. Sie ebnete den Weg für ein EU-eigenes Wirtschaftssystem. Kaum zweieinhalb Jahre später wurde die Europäische Freihandelszone EFTA gegründet. Nachträglich schlossen sich bis 1995 Dänemark, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien den Verträgen an.
Der luxemburgische Ministerpräsident Pierre Werner schlug 1970 eine Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zur dreistufigen Einführung vor. Als der Dollar als damalige weltweite Leitwährung 1971 instabil wurde, fiel die Entscheidung, günstigere Rahmenbedingungen innerhalb Europas zu schaffen und vorerst auf die Umsetzung des Werner-Plans zu verzichten.
1972 schuf man mit dem Europäischen Wechselkurssystem eigene Stabilitätskriterien, die Wechselkursschwankungen von maximal 2,25% gestatteten. Das gewichtigste Ereignis in dieser Folge war die Einführung des Europäischen Währungssystems (EWS) im März 1979, das auf den Kommissionspräsidenten Roy Jenkins zurückgeht. Außer Großbritannien beteiligten sich sämtliche bis zu diesem Zeitpunkt angeschlossene Mitgliedsländer. Das System rechnete fortan mit der neuen Währungseinheit ECU (European Currency Unit). Die Abkürzung ECU spielte auf den französischen Gulden Écu an, den Ludwig IX. im Jahr 1266 etabliert hatte.
Neuanfang und klare Ziele
Nachdem das Dreistufensystem (Werner-Plan) aufgrund schwieriger Umstände bezüglich der Währungsstabilität nicht in Angriff genommen werden konnte, kam es 1988 wieder ins Gespräch. Am 12. April 1989 legte Kommissionspräsident Jacques Delors einen Bericht vor, der die dreistufige Einführung einer europäischen Gemeinschaftswährung vorsah. Zentrales Element war der Plan zur Errichtung der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der alle Fäden zusammenlaufen sollten. Beschlossen wurde das Vorhaben mit der Unterzeichnung der Maastrichter Verträge am 7. Februar 1992. Die EZB sollte vor allem für Preisstabilität sorgen. Auf den Tag genau zwölf Monate darauf einigten sich die Mitglieder von EU und EFTA über das Abkommen zum Europäischen Währungsraum (EWR) und bereiteten die Gründung der EZB vor. Des Weiteren sollten die Notenbanken unabhängig werden.
In der ersten Stufe von 1990 bis 1994 wurden Handelsbeschränkungen abgebaut und ein gemeinsamer europäischer Binnenmarkt realisiert. Die zweite Stufe von 1994 bis 1999 beinhaltete die Vorbereitung der EZB-Gründung, den Beschluss zur Einführung der Gemeinschaftswährung und die Organisation der Euro-Zone. In der letzten Stufe ab 1999 wurden verbindliche Wechselkurse und feste Haushaltsregeln für die Teilnehmerländer festgelegt – die so genannten Maastrichter Konvergenzkriterien. Nach den strengen Regeln darf die jährliche Neuverschuldung der Mitgliedsländer 3% des BIP nicht übersteigen. In einzelnen Ausnahmefällen gestattet das EWS II bei der Währungsstabilität zudem Schwankungen von bis zu 15% für Nachzügler mit schwachen Währungen.
Kulturelle Wurzeln: Ausarbeitung der Details
Derweil wurde der Name der neuen Währung am 16. Dezember 1995 vom Europarat in Madrid bestimmt. Mit der Bezeichnung „Euro“ übernahm man einen Vorschlag des damaligen deutschen Finanzministers Theo Waigel (CSU). Zuvor waren neben „europäischer Gulden“, „europäischer Franken“ und auch ECU, dem Namen der Währungseinheit, zahlreiche Begriffe diskutiert worden. Ausschlaggebend war zum einen die sprachenübergreifende Geläufigkeit, zum anderen der im Begriff Euro repräsentierte Verweis auf das Bestimmungsgebiet der Währung und die gemeinsamen kulturellen Wurzeln in der griechischen Mythologie: Der als Stier getarnte Zeus entführt die Jungfrau Europa nach Kreta, wo Aphrodite ihr eröffnet, dass der Kontinent fortan ihren Namen tragen soll. Der Name der Währung ist sprachübergreifend indeklinabel, lediglich für mehrere Euromünzen gilt die Pluralbezeichnung „Euros“. Abweichend davon lautet der Plural in Slowenien „Euri“ und in Finnland „Euroa“.
Das seit Einführung der Währung gebräuchliche Symbol € wurde ursprünglich 1974 von Arthur Eisenmenger in Luxemburg entworfen. Eisenmenger (*1914) war damals Chef- Grafiker der EG. Die finale Fassung führte die EU-Kommission verbindlich 1997 ein. Erstmals wurde sie im Dezember des Vorjahres der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Symbol orientiert sich zum einen an anderen wesentlichen Währungssymbolen, zu denen es eine starke Ähnlichkeit aufweist – allen voran Dollar ($) und Yen (¥). Aber auch die Ähnlichkeit zum griechischen Buchstaben Epsilon (ε) ist keineswegs zufällig und verweist auf die mythologischen Ursprünge des Euro-Begriffs. Der an ein Gleichheitszeichen erinnernde Doppelstrich symbolisiert Stabilität und Kraft. Die international standardisierte Abkürzung nach ISO 4217 lautet EUR.

Die Idee wird Realität
Mit fast vier Jahren Vorlaufzeit nahm Frankreich als erstes Land der Währungsunion am 11. Mai 1998 die Produktion der Euromünzen auf. Die weiteren Teilnehmerländer starteten kurze Zeit später. Einen Monat darauf nahm die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main ihre Arbeit auf. Die festen Wechselkurse galten mit dem Beginn der dritten Phase ab dem 1. Januar 1999; ab dem 4. Januar wurden die Einzelwährungen an den Börsen vom Euro abgelöst. Damit war der Euro festgelegte Buchwährung in elf Mitgliedsstaaten – Großbritannien, Dänemark und Schweden hatten ihren Verzicht erklärt, Griechenland erfüllte erst zwei Jahre später die Maastricht-Kriterien und trat am 1. Januar 2001 als zwölftes Land der Euro-Zone bei. Auch einige Nicht-EU-Länder nutzen den Euro, darunter beispielsweise Andorra, das Kosovo, Montenegro, der Vatikan, Monaco und San Marino. Während Andorra sowie letztere drei aufgrund von früheren Währungsvereinbarungen eigene Euromünzen prägen dürfen, findet der Euro in den anderen Ländern lediglich als Buchwährung Verwendung.